BlognotizenNotizen

Eines vorweg

„Die ernste Gefahr für unsere Demokratie besteht nicht in der Existenz totalitärer fremder Staaten. Sie besteht darin, dass in unseren eigenen persönlichen Einstellungen und in unseren eigenen Institutionen Bedingungen herrschen, die der Autorität von außen, der Disziplin, der Uniformität und Abhängigkeit vom Führer in diesen Ländern zum Sieg verhelfen. Demnach befindet sich das Schlachtfeld hier – in uns selbst und in unseren Institutionen“

John Dewey, 1939

Diese Seite ist meine private Seite, die ich teile.

Ich äußere meine Meinung, vielleicht trage ich hier und da zu einem Diskurs bei. Es würde mich freuen, gerade in Zeiten, deren Diskurskultur fragwürdig scheint.

Die Kommentarfunktion habe ich abgeschaltet, da ich die Redaktion der Beiträge nicht leisten kann und keine Lust auf irgendwelche wahnwitzigen Texte habe – es sind genug Hetze, Missgunst und Bosheit unterwegs – ich werde da keinen zusätzlichen Raum anbieten.

Über Beiträge, die mich per E-Mail erreichen, freue ich mich und baue sie gern ein, wenn sie thematisch passen und die Diskussion aus meiner Sicht bereichern. Natürlich ist das subjektiv.

Außerdem halte ich es, als Sozialarbeiter, im Kontext demokratiebedingender Diskurse mit der Überzeugung Silvia Staub-Bernasconis:

„Soziale Arbeit ist immer politisch, so oder so. Man muss sich entscheiden, wem man dienen will.“

(Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Berlin, zit. nach Staub- Bernasconi 2019, S. 83)

Und dem anschließend ein Wort von Jane Addams, der Trägerin des Friedensnobelpreises 1931:


„Was hat die Menschheit letztlich auf diesem Globus trotz allem Elend der Natur und allem tragischen Versagen der Menschen letztlich am Leben erhalten, wenn nicht der Glaube an neue Möglichkeiten und
Mut, dafür anwaltschaftlich einzustehen!“

(zitiert nach Staub-Bernasconi. In: Soziale Passagen. January 2017 )

Mir scheint es so, als wären die letzten Jahre – vor allem seit dem März 2020, als der erste Lockdown über uns gebracht wurde – Jahre eines diffusen Umbruchs. Es geht etwas vor in der Welt und das soll gar nicht so bedeutungsschwanger oder geheimnisvoll klingen, vielmehr sind es meiner Ansicht nach die in nahezu ununterbrochener Folge uns alle konfrontierenden Krisen und Krisenstimmungen, die verwirren können, überfordern und nach einfachsten Lösungen rufen lassen. Oh, nicht falsch verstehen. Längst nicht alle Krisen sind Wunderwerke der Komplexität, sie werden nur dramatisiert, inszeniert und erzeugen ihre affektiven Momente. Selten war der Bedarf an jener Rationalität, zu der nur der Mensch in der Lage ist, größer: Herz und Hirn gehören unbedingt zusammen. Überhaupt, um die eingangs beschriebene Stimmung mal in einem Bild zusammenzufassen, geht es um die alte Frage: Was ist der Mensch? Ich will nicht pathetisch klingen, sondern ganz im Ernst meiner Sorge Ausdruck verleihen, dass die Antwort auf diese Frage technologisch-mechanistisch ausfallen wird, und nicht eher spirituell und im Sinne eines Dreiklangs aus Körper, Geist und Seele. Das Leben anzunehmen, gelingt der Tulpenzwiebel, die einfach nach Licht und Wachstum strebt, vermutlich einfacher als dem Menschen. Die Tulpenzwiebel weiß – davon gehe ich zumindest aus – nichts von ihrem Welken und Vergehen und sie strebt nach Licht und Blüte. Der Mensch weiß irgendwann um seine Endlichkeit, seine Verletzbarkeit und muss damit zu leben lernen. Mühsam, sagen die einen und ergeben sich der Leblosigkeit der Maschine, die mit ihren Algorithmen und ihrer „künstlichen Intelligenz“ ja ein so viel klügeres, wissenderes „Wesen“ ist als der fehlbare, endliche Mensch. Nun, ich will kein Teil dieses Maschinenparks sein und, um Konrad Zuse zu bemühen, auch nicht „wie ein Computer werden“ – Zuse, immerhin einer der Erfinder der Rechenknechte, sprach von seiner Sorge, die Computer würden nicht wie Menschen werden, die Menschen doch aber eher wie Computer sein wollen.

Nein. Und JA zum Menschen.

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