Soziale Arbeit, Digitalisierung und die Frage nach dem Subjekt
Mein neues Buch beginnt nicht mit einer These, sondern mit einem Gespür.
Ein Gespür dafür, dass sich etwas verschiebt – nicht nur auf der Ebene von Technologie und Daten, sondern in einer tieferen Schicht unseres Verhältnisses zu uns selbst und zur Welt. Shoshana Zuboff hat es benannt: „Wenn wir die Demokratie in den kommenden Jahrzehnten erneuern wollen, brauchen wir das Gefühl der Entrüstung, ein Gespür für den Verlust dessen, was man uns da nimmt.“ Das lese ich – und fange Feuer.
Was entsteht, ist ein Essay: persönlich, suchend, intellektuell ehrlich. Kein Forschungsbericht, keine geschlossene Theoriearbeit – sondern der dokumentierte Versuch, eine diffuse, aber drängende Erfahrung so weit zu klären, dass sie diskutierbar wird. Bin seit über dreißig Jahren Sozialarbeiter und Hochschulprofessor für Soziale Arbeit, frage mich: Wie verändert die Digitalisierung das Selbstverständnis dieser Profession? Und was geht verloren, wenn wir es nicht merken – oder nicht merken wollen?
Das Zuboff-Zitat wird zur strukturierenden Folie des Buches. Vier Kategorien destilliere ich daraus: das Gespür für den Verlust, die innere Erfahrung des Willens, die öffentlichen Räume des Handelns, die Menschlichkeit als normative Forderung. Im ersten Teil – Vor-Feld – entfalte ich diese Kategorien im Gespräch mit Denkern wie René Girard, Peter Thiel und Douglas Rushkoff, mit Transhumanismus und Silicon-Valley-Ideologie, mit Bernays, Mausfeld und der Frage, wem unsere Angst nützt. Im zweiten Teil – Im Feld – kommen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter selbst zu Wort: Was erleben sie, wenn das Digitale ihren Alltag durchdringt? Im dritten Teil – Feld-Ernte – werden konkrete Konsequenzen für die Hochschullehre gezogen: Sozialinformatik, Erlebnispädagogik, ein Plädoyer für Bildung als Schlüssel des Menschen zu sich selbst.
Das Buch spricht alle an, die nicht gleichgültig bleiben wollen gegenüber dem, was da gerade mit uns geschieht – und die von der Sozialen Arbeit erwarten, dass sie sich nicht damit abfindet, Menschen lediglich maschinenkompatibel zu machen.


