Notizen

Das Wesen der Tyrannei

Mit der Sprache – dem Wort – beginnt die Welt. „Im Anfang war das Wort“, passt ja auch in die Karwoche 2021, in der ich diesen Text schreibe. Sprache ist Ausdruck des Bewusstseins, Sprache formt und schafft Wahrnehmbares, zeigt Wahrgenommenes und ist in ihrer Gesamtheit ein zentrales Element des Bilderschaffens, der Bildung. Der Umgang mit Sprache ist meiner Ansicht nach ein zentrales Element des Erkennens und Verstehens.

Blicke ich auf die letzten 12 Monate zurück, bin ich erstaunt über das fast täglich wachsende Vermögen meiner Fassungslosigkeit. In einem Jahr erodierte so vieles so plötzlich, dass ich sprachlos war; emotional überrollt und kognitiv wie unter einer Lawine begraben, braucht es Zeit und Kraft, um sich wieder freizuschaufeln und genauer hinzuschauen. Ich habe viele neue Worte gelernt. Begriffe wie „pandemiebedingt“ und habe hinnehmen sollen, wie damit alles Mögliche einfach unisono erklärt und begründet wird und wurde. „Es ist Pandemie“ – und das hat zur Erklärung bitteschön auszureichen. Punkt. Basta. Differenzieren, analysieren, ergründen und begründen, in Alternativen denken – „alles Unfug, alles überflüssige Schöngeistigkeit, wir kämpfen hier um Leben und Tod, da können wir uns diesen Schnickschnack nicht erlauben.“ Das allein ist schon ein Irrsinn. Gerade in Krisen ist DENKEN der Weg. Freiheit und Vielfalt aus- und abzuschalten kann nicht klug sein.

Mir scheint, als wäre die Maslowsche Theorie der menschlichen Bedürfnisbefriedigung eben gerade durch ihre umgekehrte Verwendung bestätigt worden. Nach Maslow bilden die physiologischen Bedürfnisse die Basis -sind Hunger, Durst und Schutz vor Kälte etc. gestillt, kann sich der Befriedigung weiterer Bedürfnisse gewidmet werden. Als Spitze seiner oft als Pyramide vorgestellten Theorie sieht Maslow die Selbstentfaltung, die Selbstverwirklichung des Menschen. Genau dies wird von vielen angesichts der vermittelten Bedrohung der Bedürfnisbefriedigung auf physiologischer Ebene als eher weniger bedeutend und verzichtbar aufgefasst. Wenn ich Menschen zum Verzicht auf Freiheit und Selbstwirksamkeit bewegen will, muss ich sie nicht einsperren oder strafen – es reicht völlig aus, sie auf der Ebene der Befriedigung physiologischer Bedürfnisse zu verängstigen und zu verunsichern. Geht es um Leben und Tod, wird alles andere zweitrangig und die Aufgabe von Freiheit, eigener Lebendigkeit mag schmerzen; wird jedoch als zwingend und vernünftig anerkannt. Ich habe viel gelernt über das Mensch-Sein in den letzten 12 Monaten. Ich habe noch mehr gelernt über Angstmacherei und ihre monströsen Auswirkungen.

Ein eigenes Leben zu führen und sich selbst darin ernst zu nehmen, sich formulieren, artikulieren und in die Welt einbringen zu können: Es ist auch ein pädagogisches Ziel, eine Grundvoraussetzung funktionierender Demokratie. Nicht die „amorphe Masse“ ist der Schutz vor Diktaturen und Tyrannei, sondern der selbstbewusste Mensch – der, bei allen Fehlern, allen Schwächen, bei allem Blödsinn – ein fühlendes Wesen, ein soziales Wesen und ein Individuum ist. Die Würde DES Menschen ist unantastbar, weiß unser Grundgesetz und es ist klug, nicht die Würde DER Menschen geschrieben zu haben. Kollektivismus war immer der erste Wegbegleiter des Totalitären. Das Aufgehen im Rudel, die Sicherheit der größeren Menge – uralte Treiber unseres menschlichen Lebens in (und außerhalb) Gesellschaften. Schon 1951 – also kurz nach dem Wahnsinn des Holocaust – untersuchte Solomon Asch in seinem berühmten „Strichlängen-Experiment“ die Phänomene des Gruppenzwangs. (https://de.wikipedia.org/wiki/Konformit%C3%A4tsexperiment_von_Asch) Kritiker erklärten, dass hier nicht von Gruppenzwang geredet werden könne, da in dem Moment der Kommunikation zwischen den Mitgliedern der Versuchsgruppe korrekte Antworten gegeben wurden – ohne diese Kommunikation waren Testpersonen geneigt, aus Konformitätsgründen lieber falsch als richtig zu antworten. Die Macht der Masse – anschaulich aufgezeigt – und, für mich fast noch wichtiger: Die Ohnmacht der Masse, wenn über die Wahrheit (hier: die richtige Lösung) offen und mit Vertrauen gesprochen werden kann.

Das Ende offener Diskurse stärkt die Macht des Konformitätsdrucks, dieser stärkt und formt die Masse – und erst das offene, ehrliche, im Vertrauen zueinander geführte Gespräch löst den Druck.

Über die Tyrannerei

Aristoteles (4.Jhd. vor Christus) befasste sich u.a. mit Macht und Herrschaftsformen. Ich finde sehr interessant, wie er Tyrannei in ihren Ausprägungen beschreibt. Hier die Quelldatei (und mein Dank an Franz T.):

„Zentrum des „traditionellen“ Tyrannis-Teils ist jedoch für Aristoteles nicht das Ökonomische, sondern das eigentlich Politische; und wiederum sind es weniger die vereinzelten instrumentellen Maßnahmen, die ihn beschäftigen, als vielmehr die psychologischen Resultate tyrannischer Praxis überhaupt.

Weil seine Herrschaft per se nur unfreiwillig hingenommen wird, (…) bekämpft und beseitigt er diejenigen, die irgendwie aus der Menge hervorragen. Dieses Hervorragen wird von Aristoteles hier nicht näher spezifiziert, kann sich jedoch (.) auf mehrere Faktoren stützen: Reichtum, Freiheit, Herkunft und Tüchtigkeit. Daß Aristoteles in erster Linie an die zuletzt genannte Qualifikation denkt, wird aus den späteren Erklärungen deutlich. Ausdrücklich erwähnt er die „Anständigen“, d. h. diejenige Gruppe von Menschen, die immerhin ein erhebliches Maß an spezifisch menschlicher Tüchtigkeit verwirklicht. Diese bekämpft der Tyrann, weil sie sich a) nicht despotisch beherrschen lassen wollen und b) sich selbst und anderen vertrauen. Um sein Ziel zu erreichen, läßt der Tyrann sich einiges einfallen: Er verbietet Syssitien, Hetairien, Erziehung und
festliche Zusammenkünfte aller Art, wobei das Verbot der Hetairien zur politischen, der Festveranstaltungen zur kulturellen, der Paideia zur individuellen Verkümmerung der von ihm Betroffenen führt.

Das Resultat dieser Maßnahmen besteht also in der Aufhebung bürgerlicher Gemeinschaft und allein durch Erziehung erreichbarer Realisierung menschlicher Tüchtigkeit. (Hervorhebungen nicht im Original)

Ein weiteres Ziel tyrannischer Maßnahmen besteht in der Verhinderung von „Muße“ . Deren Mittel sind schnell rubriziert: Man muß die Menschen arm machen und sie dauernd in Beschäftigung halten. Der erste Trick führt dazu, daß die Betroffenen ständig mit der Besorgung der Lebensnotwendigkeiten ausgelastet werden, die zu einem Aufstand benötigten Finanzen fehlen und der Tyrann sich selbst durch Enteignung von Privatbesitz den notwendigen finanziellen Spielraum sichert. Füllt die Beschaffung des zum bloßen Leben Notwendigen die Zeit der
Beherrschten nicht aus, helfen dem Tyrannen deren Zwangsarbeit an öffentlichen Bauten und permanente Kriegsführung aus seiner Malaise. Die Menschen sind ständig beschäftigt und bedürfen eines Führers. Der Tyrann macht sich unentbehrlich.

Damit aber noch nicht genug. Wenn, wie Aristoteles annimmt, „Muße“ die Voraussetzung für politische Betätigung und Philosophie ist, dann hebt deren Beseitigung nicht nur die Möglichkeit politischer Praxis auf, sondern wesentlich auch die der Philosophie. Der Tyrann ist nicht nur der natürliche Feind des an und für sich guten Bürgers, sondern ebenso der des Philosophen. Indem er bürgerliche Freiheit beseitigt und die menschliche Natur, die nach dem Einleitungssatz der „Metaphysik“ darauf gerichtet ist, Einsicht zu erlangen, so gut er eben kann in ihrer Aktualisierung behindert, erweist der Tyrann sich selbst als personifizierte Unvernunft, als Unmensch, der jegliches wirkliche Mensch-Sein untergräbt.

Das für eine vernünftig geordnete politische Gemeinschaft unerläßliche Vertrauen zwischen den Bürgern zerstört der Tyrann vor allem auf zwei Wegen:

Einerseits provoziert er nach Kräften Streit zwischen den Beherrschten, andererseits strebt er nach totaler Kontrolle und Kenntnis ihrer Handlungen und Gedanken. Die bewußte Zerstörung von Homonoia zwischen den Beherrschten, die selbst nichts anderes ist als der Ruin von menschlicher Gemeinschaft überhaupt, verlängert lediglich in die Relation der Untertanen untereinander hinein, was zwischen Tyrann und Beherrschten ohnehin besteht. Gerade weil zwischen
Herrscher und Beherrschten keine wirkliche Eintracht besteht, muß dem Tyrannen natürlicherweise daran gelegen sein, jede Form von Gemeinsamkeit auch innerhalb der Tyrannisierten zu unterbinden, denn Gemeinschaft zwischen den Untertanen ist für die tyrannische Herrschaft gefährlich, weil sie Macht akkumuliert und eventuell der Macht des Tyrannen überlegen werden könnte.
Dazu kann
er die Beherrschten jedoch nur bringen, indem er sie durch Bespitzelung und die bewußte Provokation von Streit untereinander in eine Situation zwingt, die einem permanenten Belagerungszustand entspricht. Aber: Nicht nur belagert der Tyrann alle anderen, diese stützen seine Herrschaft, indem sie sich selbst untereinander belagern.

Die Zerstörung von freier Rede und Handlung läßt aus den Betroffenen
atomisierte Individuen werden, die sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, und die tyrannische Polis wird zu einer Veranstaltung, an der nur noch Menschen teilnehmen, die als Mit-Menschen allseitig depraviert sind. Im Endeffekt beherbergt sie nur noch die eine unterste Stufe von Mensch-Sein, (.) also genau das Phänomen, das Hobbes später als das Wesen des Menschen überhaupt ansah: den Menschen, der des Menschen Wolf ist.


Dieser Zerschlagung aller wirklichen zwischenmenschlichen Beziehungen – Aristoteles nennt keine Maßnahmen, (…) doch können hier alle Mittel eingesetzt werden, die zur Aufhebung von zwischenmenschlichem Vertrauen führten.


So offenbart sich tyrannische Herrschaft als vollendet totalitär: Sie bekämpft nicht nur politische Gemeinschaft als solche, Philosophie, kulturelle Identität, sondern bewußt und gezielt auch das Mensch-Sein des einzelnen Menschen.

Aristoteles begreift die für eine tyrannische Polis charakteristische Entfremdung der einzelnen Menschen voneinander als eine notwendige Konsequenz ihrer Selbstentfremdung, d. h. ihrer personalen Schizophrenie.
(…)

Der Tugendhafte ist derjenige Mensch, der mit sich selbst übereinstimmt und mit seiner ganzen Seele auf das Gute abzielt, wobei seine Identität wiederum vernünftig (noetisch) fundiert ist. Freundschaft mit anderen Menschen wiederum resultiert aus der Freundschaft qua Übereinstimmung mit sich selbst, menschliche Gemeinschaft daher im Grunde aus der noetischen Identität ihrer vernünftigen Mitglieder.

(…) Einerseits versucht er [der Tyrann], das Selbstbewußtsein, die noetische Identität und die Übereinstimmung der ganzen Seele mit
sich selbst zu zerstören und seine Untertanen auf die Stufe des Mikropsychos („Kleinseeligkeit“ ) herabzudrücken, andererseits ruiniert er mit der Repression des Selbstbewußtseins die Fähigkeit zu zwischenmenschlichen, vernünftigen Beziehungen und provoziert so die Existenz von Menschen, die sich selbst und als Konsequenz daher auch anderen entfremdet sind. „

PJ92_S17-34_Kamp_Die-aristotelische-Theorie-der-Tyrannis

Wenn ich das so lese, frage ich mich, was Aristoteles heute angesichts der aktuellen Lage wohl sagen würde. Vieles aus der gegenwärtigen Politik und der gesellschaftlichen Stimmung erinnert mich an seinen Text.

Wenn es so etwas gibt wie eine „Volksseele“, dann ist sie aktuell schwer erkrankt. Da ist Angst, da ist Vertrauen zerbrochen – und Vertrauensbrüche wiegen schwer. Entweder war es den Verantwortlichen egal – und dann spreche ich von Skrupellosigkeit – oder nicht bekannt – dann spreche ich von Dummheit und mangelnder Bildung: Wenn ich so massiv veranlasse bzw. in Kauf nehme, dass Menschen in Angst und Panik geraten, dass sie einander so misstrauen (und auch sich selbst, schließlich sind sie selbst ja auch massiv verunsichert); wenn ich zulasse, dass Menschen es hinnehmen, dass ihre Angehörigen allein sterben („es ist hart, aber es muss sein. Pandemiebedingt eben…“), dass Kinder mit traumatisierenden Themen („DU willst doch nicht etwa Schuld daran sein, wenn Opa stirbt…“) brutal überfordert und angesichts herrschender Hysterie damit weitestgehend sich selbst überlassen werden – wenn ich das alles, was in diesem Wahnsinn der letzten 12 Monate zusammengekommen ist, aufzähle und mir vor Augen führe, habe ich keine Ahnung, wie wir da wieder rauskommen können. Ich halte mich fest an meiner Hoffnung, dass wir das nur durch Kommunikation, durch MITEINANDER Reden bewerkstelligen werden – und selbst das kann nur ein Anfang sein. Die verlorengegangen (nein: die entrissenen, die zerstörten!) Fähigkeiten eines selbstwirksamen, selbstvertrauendem Lebens bedürfen des Wiederaufbaus durch Partizipation, durch Mitmachen und Ernst-genommen-werden-(wollen). Was auch immer geschehen mag: So, wie es war, wird es nicht mehr werden KÖNNEN! Dazu ist zu viel kaputt, zerbrochen, genommen und auch aufgegeben worden.

An düsteren Tagen fürchte ich mich vor den Konsequenzen des größeren Bilds, das sich abzeichnet – ja, Great Reset, Global Governance, eine Exekutive ohne irgendeine demokratische Legitimierung, permanente Kontrolle und Steuerung. DAS macht mir Angst.

Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben, soziales Verhalten – es sind Themen des Lernens, der Entwicklung, des Wachsens und Reifens. Wenn Aristoteles eines der Kerninstrumente des Tyrannentums darin erkennt, Menschen zu atomatisierten, entfremdeten Einzelwesen zu machen, sie zu „Mikropsychos“ („Mikropsychos ist derjenige Mensch, der sich selbst nicht kennt und wegen dieser mangelhaften Selbstkenntnis auf Praxis weitestgehend verzichtet.“, Kamp, a.a.O.) zu verdammen, so ist dies in der Korrespondenz des ebenfalls von Aristoteles beschriebenen Gegenentwurfs dazu zu betrachten. Dies ist Megalopsychos, der sich seiner Seele selbst bewusst seiende Mensch. Reife, Wachstum, Erkenntnis sind die zentralen Elemente zur Entfaltung der Seele aus Mikro-zu Megalopsychos. Die Bildung des Herzens, das Werden „einer großen Seele“, das Annehmen des Lebens in aller Vergänglichkeit, die Befassung mit Philosophie und den Fragen nach einem guten, einem richtigen Leben sind Ausdrucksweisen dieses Wollens. Freiheit und Eigenständigkeit, sozialer Zusammenhalt in aller Vielfalt und einem konstruktiven Miteinander, Freundschaft – für mich auch Kernelemente sozialer Pädagogik, einer Pädagogik des Sozialen und für das Soziale. Wenn an diese Kultur – und so verstandene Pädagogik ist nichts Anderes als ein Ausdruck derselben, ein Charakteristikum von Zivilisation – nun wie in einem Wald die Äxte angesetzt und tragende Elemente gefällt, dem Erdboden gleichgemacht werden, so entzieht die Axt dem Wald mehr als nur das Holz der Bäume. Sie vernichtet Errungenschaften, Bemühungen, Wachstumsentwicklungen, Reife und Zusammenhalt aus Jahrhunderten. Sie gibt zudem den Erdboden der Erosion frei, greift die Fundamente an und sorgt für Entwurzelung.

Keine Entschuldigung, keine Bedauernsbekundung – so notwendig sie auch sein mag – wird diesen verlorenen Schatz der Erfahrung ersetzen. Und was bedeutet das nun? Auf die aktuelle Lage übertragen, ließe sich formulieren, dass der Umgang mit Grundrechten, gleichsam ihrer Entwicklung, ihrer Einführung, nicht Gegenstand der Theorie allein ist, ganz im Gegenteil: Es ist Lebenspraxis. Zu leben, sich zu entscheiden und verantwortlich zu sein. Das bedarf pädagogischer Begleitung, Erziehung und, wie sagte einst Pestalozzi: Liebe und Vorbild. Mensch-Werdung und Herzensbildung, seelische Reife und ein Verständnis für das Lebendige fallen uns nicht in den Schoß. Es sind kostbare Errungenschaften, mächtige Wurzeln eines jeden Lebens, einer jeden Gesellschaft. Tyrannen trachten nach der Verhinderung genau dieser Errungenschaften; sie zu demontieren, sie wie Bäume zu fällen: Es ist ihr Ansatz des Herrschens. Deshalb zerstören sie das Vertrauen des Menschen zu sich selbst und entfremden ihn von den Möglichkeiten, den Entwicklungsaufgaben- und Chancen des Lebens, indem sie ihn entwurzeln und auf den Erhalt biologisch-medizinischer Funktionen reduzieren. Der Mensch wird zudem „entsubjektiviert“ zu einem reinen Bestandteil der Statistik.

Wenn ich begreife, dass die dauerhafte Entfremdung, ja, sich zeigend in „Social Distancing“ und all den anderen „Maßnahmen“, vielleicht ein ungewollter Nebeneffekt der „Pandemiebekämpfung“, in jedem Fall aber ein Ausdruck tyrannischer Haltung ist: Dann muss ich nachfragen, ob die, die diese Nebenwirkung erzeugt haben oder sie auch nur billigend in Kauf nehmen, wirklich eine Pandemie bekämpfen oder mich durch Entfremdung und Niederdrücken des Mensch-Werdens beherrschen wollen. Um nichts Anderes geht es dann – und dazu muss ich keine Verschwörungstheorien bemühen oder Aluhut tragen. Ich muss nur hinschauen: Wenn die Schutzmaßnahmen Menschen brechen und die Grundlagen geistig-seelischer-körperlicher Entwicklung zerstören, geht es vermutlich vorrangig um Macht und Herrschaft, um Tyrannei und nicht um Gesundheit. Wer mir das Gegenteil erklären will, möchte mir bitte auch erklären, mit welcher Begründung der für das Leben-Lernen existenziell notwendige Gebrauch der Freiheit verboten wird. Je länger dieser Wahnsinn, begleitet von Massenhypnose, andauert, desto klarer zeigen sich vielleicht die Motive.

Es ist Unsinn, sich an die Grundrechte nur noch erinnern zu können wie an eine ferne Vergangenheit. Davon wird niemand ein mündiger Mensch. Die Praxis macht`s – und wer da die Axt anlegt, zerstört die gewachsenen Grundlagen des Lebens der Menschen, die Errungenschaften der Zivilisation. Wir werden einander und uns selbst gegenüber fremd. Da Tyrannen, lt. Aristoteles, davon profitieren, werden sie auch dafür sorgen, dass wir einander und uns selbst gegenüber fremd bleiben, keinen Zusammenhalt spüren, uns isoliert und getrennt fühlen. Über vielen liegt diese Zeit wie ein „Dauermüde-Sein“, wir sind abgeschnitten vom Lebendigen. Wo eben der Wald des Lebens stand, steht heute das Impfzentrum als Reduktion des Menschenlebens auf seine bloße medizinisch „geschützte“ Existenz. Selbst wenn vor meiner Haustür sich die Leichenberge stapelten, (was ja Gott sei Dank nicht der Fall ist, ganz im Gegenteil sogar), würde ich immer dafür plädieren, die Lebenspraxis zu schützen ohne sie aufzugeben oder zu gefährden.