Notizen

Schweigen?

Gegen Unrecht – wenn man es als solches erkennt – muß man sich wehren – da gibt’s nichts anderes. Schweigen ist da, obwohl es Verachtung auszudrücken vorgibt, selber verächtlich. Nicht nur die Betroffenen müssen reagieren; auch den Unbeteiligten, wo immer sie ein Unrecht sehen, kommt es zu, sich dagegen aufzulehnen. Ihr Schweigen ist Mitschuld und beruht zumeist auf denselben Motiven wie das Schweigen der Betroffenen, nämlich auf Aengstlichkeit. Nur nicht anstoßen … nur nicht sich Unannehmlichkeiten zuziehen: das ist das Grundmotiv, wenn es sich auch äußerlich als vornehme Zurückhaltung gebärdet.

Literatur im Volltext: Bertha von Suttner: Memoiren, Stuttgart und Leipzig 1909, S. 214