Lieber nicht

Juli 20, 2020 @ 8:13 pm

Heute rief mich ein befreundeter Kollege an. Er war am Wochenende bei einem Grillabend im Bekanntenkreis. Das Gespräch bei Tisch ging – wie so oft in diesen Tagen – auch um „Corona“. Mein Kollege sagte mir, er habe nur vorsichtig mal angefragt, wie denn die Meinung in diesem Kreis sei zu den Argumenten und Fragen, die Wodarg, Bakhdi und der Corona-Ausschuss eingebracht haben. Die Reaktionen, so mein Kollege, waren erstaunlich – er, ein ruhiger, moderater und durch und durch nachdenklicher Doktor der Philosophie, wurde von Menschen, die ihn zum Teil schon seit Jahren kennen, als „Aluhut-Träger“, als „Verschwörungstheoretiker“ usw. angesehen. Das hat ihn überrascht. Die Angst scheint groß, die Angst scheint tief eingedrungen zu sein in unser Leben. Corona – die Spaltung eben nicht in den Diskurs, sondern in fixe Kategorien. Wir sind – so empfinde ich es immer mehr – Lichtjahre entfernt von einer demokratischen Gesellschaft, einer Umgangsform, die erst einmal das Gespräch sucht und zulässt. Ich bin Sozialpädagoge und davon überzeugt, dass es vor allem das Schaffen und Erhalten von Vertrauensbeziehungen ist, das die Sozialpädagogik als Profession auszeichnet und legitimiert. Dazu gehört Offenheit, dazu gehört Respekt und auch Interesse am anderen. Schon im alten Rom wusste man „auditur et altera pars“ (der andere Teil möge gehört werden). Heute reicht anscheinend eine kritische Meinung zur Maske und die Lagerbildung offenbart sich. Traurig.

Wie können wir vor diesem Hintergrund sicher sein, eben nicht in die Irre geführt zu werden? Was macht uns so sicher? Wenn selbst in privaten Vertrauenskreisen keine Diskussion mehr möglich scheint, ohne das Ende von Einvernehmen und Achtung zu riskieren? Die Corona-Schutzmaßnahmen scheinen sich tief in die Seele einzuätzen; sie verunsichern einerseits mit der Angst vor Elend und Tod und andererseits ermutigen sie manchen zu einer “ Basta-Haltung“ gegenüber jedem Ansatz eines kritisch-skeptischen Hinterfragens. Was ist die Basis, was ist die Grundlage der Maßnahmen? Ein fragwürdiger PCR-Test?

Ich weiß es nicht. Ich für meinen Teil will keine Lagerbildung betreiben, will neugierig bleiben und interessiert. Ja, ich vertraue auch meiner Intuition, die mir sagt, dass hier etwas nicht stimmt. Also schrieb ich den Bundesabgeordneten meiner Stadt vor jetzt 4 Wochen einen Brief und stellte meine Fragen direkt. Noch ohne Antwort…

Intuition, interessantes Thema – das eigene Gefühl sich selbst gegenüber. „Vor Corona“ fühlte ich mich krank, wenn ich mich krank fühlte und fühlte mich gesund, wenn ich mich gesund fühlte. Das soll jetzt anders sein. Jetzt wird betont, dass ich auch dann eine ansteckende Gefahr sein kann, wenn ich mich dem ganz entgegengesetzt topfit fühle…Da geschieht eine so tiefgreifende Verunsicherung, ein Verschieben des eigenen Körpergefühls – „ich trau mir, aber ist das ok?“ Achtsamkeit, Sensibilität: Das darf anscheinend nicht mehr ohne den Beigeschmack der potentiellen „Spreader“ Gefahr empfunden werden. Wäre ich der Autor eines „Bond“ Films und wollte, dass die Bösen gewinnen, so wäre das sicher Teil meines Plots: Das Schaffen eines Narrativs, dessen Begleiterscheinung die Auflösung, die Aufweichung, das Instabilisieren von Selbstvertrauen wäre. Eines der besten Mittel in Zeiten von Angst und Schrecken ist Vertrauen – und einer der Zugänge zu einem vertrauenden Leben ist die eigene Person, die eigene Empfindung. Dieser nicht mehr trauen zu „sollen“, es auch nicht mehr intuitiv ungetrübt empfinden zu können – es ist ein Axt anlegen an die Quellen der Kräfte, die sonst durch stürmische Zeiten tragen können. Nebenbei, die WHO selbst betont die eher dünne Datenlage für eine asymptotische Übertragung (Quelle?https://correctiv.org/faktencheck/2020/07/17/nein-die-who-hat-nicht-verkuendet-dass-covid-19-infizierte-ohne-symptome-das-virus-nicht-uebertragen-koennen)

Dennoch, die Angst darf nicht weichen. Und jetzt, so nicht nur meine Wahrnehmung, werden die, die behutsam mal nachfragen und ihr Nicht-Einverstanden-Sein signalisieren, selbst als furchterregend empfunden. Perfide. Interessant wird es sein, sich krank zu fühlen und dennoch kein Attest vom Arzt zu bekommen, weil der keine Symptome feststellt. Was dann?

Als hilfreich und unterstützend empfinde ich die Arbeiten des www.corona-ausschuss.de sowie das Buch von Bahkdi/Reiß

Als äußerst lesenswert sehe ich auch den Beitrag von Prof.em.Stadler aus der Schweiz, hier der Link: https://www.achgut.com/artikel/corona_aufarbeitung_warum_alle_falsch_lagen

Allerdings denke ich auch, dass die Lagerbildung längst läuft –

„Wodarg“ vs „Drosten“

„Gegner“ vs „Linientreu“

„Maske auf: Rücksichtsvolles Mitglied der Solidargemeinschaft“
vs. „Maske ab: Asozialer Egomane ohne Empathie“

DARUM GEHT ES MIR GAR NICHT!!! Ich verzweifele lediglich darüber, dass es keine offenen Diskussionen gibt. Warum keine Pro/Contra Sendung in der ARD mit Bahkdi und Wodarg einerseits und dem RKI andererseits? Warum müssen wir, die wir intuitiv unserer Skepsis folgen, uns mühsam über das Internet informieren, uns „Aluhut-Träger“ oder sonstige Diffamierungen anhören? Ich nenne auch niemanden, der aus Angst eine Maske trägt, einen Schwachkopf. Ich akzeptiere, dass er Angst hat und interessiere mich dafür, was die Angst auslöst, wovor er oder sie sich fürchtet. Wenn wir uns streiten untereinander, lässt sich prima regieren. Dividere et impera. Teile und herrsche. Gute Nacht, Marie.

Kleiner Nachtrag, 26.07.2020 – ich teile das Erlebnis meines Kollegen. Gestern war ich auf einer Feier und unterhielt mich über alle möglichen Themen, nicht über Corona. Das Gespräch kam dann aber doch darauf und ich reagierte, weil ich gefragt wurde. Sehr vorsichtig reagiere ich, achte auf meine Worte und will keinen Streit. Es kam nicht so weit. Schon nach wenigen Augenblicken war meinem Gegenüber klar, dass ich ein Aluhutträger, ein Weltverschwörer und Impfgegner sei. Ich bin weder das eine noch das andere und geimpft bin ich auch. Was hatte ich getan? Ich hatte gefragt, was mein Gegenüber denn zu den Argumenten des Dr. Wodarg sagte, was er davon hielte. Das reichte schon. Aus meinem Nachfragen wurde „Überheblichkeit, mir einzubilden, es besser zu wissen als die Regierung“. Mann Mann Mann. Ich bin erschrocken. Mein Gegenüber ist Jurist. Damit nicht genug – ich wurde auch gefragt, was man denn hätte anders machen können, anders machen sollen. Wenn ich „schon nachfrage und anscheinend ein Ziel verfolge, ein Aufhetzer sei“, dann solle ich doch auch bitte eine Lösung nennen. Oder schweigen. Interessantes Verständnis von Macht, Staat, Kritik und Demokratie. Wer fragt, weil er nicht einverstanden ist, weil er es nicht versteht, der muss und soll eine bessere Lösung zustande bringen oder schweigen. Nein, muss ich nicht. Ich bin heute, 26.07.2020, mehr denn je davon überzeugt, dass Wodarg von Anfang an auf dem richtigen Weg war: a) hätten wir nicht getestet, würden wir es gar nicht merken, b) der bis heute unvalidierte PCR Test findet nur, wonach man sucht , c) es hätte schnell eine Zufallstestung von 1000 Personen geben müssen, um die Virusbelastung klarer zu erkennen.

Nicht ich muss begründen, warum ich meine Grundrechte wieder haben möchte. Der Staat muss begründen, warum er sie einschränkt. Wie stark und prüfbar ist diese Begründung? DAS zu hinterfragen, ist mein Recht als freier Mensch und meine Pflicht als Staatsbürger. Lösungen zu finden ist nicht mein Auftrag in dieser Sache. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft wie der unsrigen muss ich mich auf Fachleute verlassen können, wenn Entscheidungen dieses Ausmaßes getroffen werden. Exakt deshalb frage ich offen und interessiert nach, versuche sachlich zu sein und in Erfahrung zu bringen, was los ist. Dennoch, ich bin täglich weniger davon überzeugt, dass Covid-19 DIE Gefahr ist, deren Bekämpfung all das hier rechtfertigt.

An dieser Stelle auch DANKE an die Macher:innen des www.corona-ausschuss.de.

Geht es hier noch um Gesundheit?

Passend zu diesem Nachtrag noch ein Beitrag von achgut. Mir gefällt besonders der Briefwechsel des Autors mit dem RKI und anderen PCR Laboren. (Gunter Frank, Gastautor / 23.07.2020 / 06:08 ). Hier ist der Link zu der Seite (sollte der nicht klappen, ist hier der Link zu der PDF. Ich habe die Seite als PDF gespeichert.)