Drei Fragen zu Sozialer Arbeit

  1. Was ist eigentlich Soziale Arbeit und warum studiert man das?
  2. Was versteht man unter Sozialmanagement?
  3. Wie sind a und b von Corona beeinflusst?

  1. Was ist eigentlich Soziale Arbeit und warum studiert man das?

Soziale Arbeit umfasst die klassische Hilfe für Bedürftige, so, wie sie sich im Laufe der letzten Jahrhunderte entwickelt hat. Deutschland versteht sich qua Grundgesetz als sozialer und demokratischer Bundesstaat (Art 20 GG), aus diesem Selbstverständnis ergibt sich u.a. auch die Trägerschaft staatlicher Institutionen der Sozialarbeit (Zum Beispiel Sozialamt, Jugendamt). Sie folgen den Gesetzen des Sozialrechts, dem SGB (Sozialgesetzbuch). Studierende der Sozialen Arbeit befassen sich mit den Inhalten und Auswirkungen des SGB – das ist ein Teil des Studiums. Ein anderer, ebenso wesentlicher Teil des Studiums umfasst sozialpädagogische Inhalte.

Sozialarbeit ist mehr als nur das Abschaffen materieller Bedürftigkeit, Soziale Arbeit wird auch als die Profession verstanden, die sich für die Teilhabe des Einzelnen an der Gesellschaft, an einem selbstbestimmten Leben in Mündigkeit und Freiheit einsetzt. Silvia Staub-Bernasconi, ihres Zeichens Professorin der Sozialarbeit, hat die Profession der Sozialen Arbeit einst als „Menschenrechtsprofession“ beschrieben – als die eigenständige Handlungswissenschaft, die nah am Individuum arbeitet, Entwicklungen fördert und Menschen bestärkt, ermutigt, sie demokratisch und sozial empowered. Sara Remke, auch eine Professorin für Soziale Arbeit, versteht die Soziale Arbeit als die Profession, die den Menschen von etwas und zu etwas befreit. Jemanden bspw. von „Obdachlosigkeit zu befreien“ ist die eine Aufgabe – ihm oder ihr dabei dann zu helfen, die Freiheit von der Obdachlosigkeit als Freiheit zu etwas – beispielsweise einem eigenen, geschützteren und selbstbestimmten Leben – zu erkennen und zu gestalten: Das ist die andere Aufgabe Sozialer Arbeit. In der Sozialen Arbeit geht es also immer um diese beiden Pole – um die Hilfe für diejenigen, die der Hilfe bedürfen und das Ermächtigen des Selbst, sich in dieser Welt zu entwickeln und ein gelingendes Leben zu gestalten. Natürlich wirft das Fragen auf – was ist ein gelingendes Leben? Was ist Freiheit? Wie funktioniert Gesellschaft? Gerade deshalb ist Soziale Arbeit ein Studium, ein intensives Befassen mit verschiedenen Theorien, Philosophien und ganz konkreten Methoden. Soziale Arbeit ist vor allem pragmatisch, praktisch orientiert und um das sein zu können, braucht sie Profis, die einerseits wissen, was sie tun und andererseits auch wissen, warum sie es tun. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter entwickeln während des Studiums ihre eigene Haltung zu der Profession- und die Hochschule bietet dazu sowohl die fachlichen Grundlagen als auch den Reflexionsraum, der für Diskussion, Austausch und Erkenntnisgewinn notwendig ist.

  1. Was versteht man unter Sozialmanagement?

Sozialmanagement – da steckt ja „Management“ schon mit drin – und Management bedeutet: Etwas zu planen, es umzusetzen und zu kontrollieren, wie Plan und Umsetzung zusammenpassen – und um dann ggf. nachzusteuern. Mit Blick auf die Soziale Arbeit lässt sich vereinfacht sagen, dass die Aufgaben des Sozialmanagement vor allem in der Organisation der Sozialen Arbeit liegen: Wie sind Organisationen und Institutionen bestmöglich so aufzustellen, dass sie ihren klientenbezogenen und gesetzlichen Aufgaben gerecht werden und dabei wirtschaftlich sind? Im Sozialmanagement spielen Ressourcen der Sozialarbeit und Kosten eine große Rolle. Das Sozialmanagement sieht dabei alle Bereiche einer Organisation – ganz gleich ob Personalentwicklung, Werbung, Rechnungswesen, Qualitätsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit.

  1. Soziale Arbeit und Sozialmanagement in Zeiten von Corona

Corona macht vielen Menschen Angst und verunsichert sie. Alle Arbeitsfelder Sozialarbeit sind betroffen, alle Bereiche gesellschaftlichen Miteinanders. Soziale Arbeit ist oftmals die kleinteilige Entwicklung im Einzelfall, die Begegnung mit einzelnen Menschen in individuellen Situationen. Die Gegenwart wird für viele als Bedrohung empfunden und all das steht in einem krassen Widerspruch zu den Zielen der Selbstermutigung, des Empowerment, der demokratischen Teilhabe. Angst essen Seele auf. Und Soziale Arbeit will ermutigen, sie setzt den paralysierenden Kräften der Angst Aufklärung, Humanismus und Solidarität entgegen. Besuchsverbote und Abstandsregeln erschweren die Arbeit in allen Feldern der Sozialarbeit.

Sozialarbeiter:innen improvisieren gerade (und das ist für viele wahrlich nichts Neues!), wenn sie versuchen, mit ihrer Klientel Kontakt zu halten, im Gespräch zu sein. Vieles scheitert aktuell – und dies Scheitern lässt sich belegen: sei es mit der wachsenden häuslichen Gewalt gegen Frauen und Kinder, seien es mit den vereinsamenden Menschen in Alten- und Pflegheimen, sei es mit der Arbeit mit Obdachlosen (um nur ganz wenige Felder stellvertretend zu benennen.)

Soziale Arbeit ist in jedem Fall systemrelevant.

Für das Sozialmanagement ergeben sich daraus direkte operative Konsequenzen – es beginnt bei der Beschaffung und Bereitstellung von Schutzbekleidung, Masken und Desinfektionsmitteln, geht weiter  über die Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzgl. der Hygeniemaßnahmen und setzt sich fort in der Sicherung von Arbeitsverhältnissen, denn Kurzarbeit und Insolvenzen treffen auch die Sozialwirtschaft.

Corona bedeutet und erfordert aber noch mehr – im Sinne der Hilfe für Bedürftige muss die finanzielle Unterstützung für sie angepasst werden, die Regelsätze, z.B. Hartz4, sind für krisenfreie Zeiten kaum ausreichend – und gerade in Zeiten von Corona besteht erhöhter Bedarf. Allein das Finanzieren von Masken und Desinfektion ist in keinem Warenkorb berücksichtigt, ebenso wenig der Wegfall von Schulspeisung und anderen Angeboten. Hier ist die Politik gefordert – und gefordert wird sie vor allem von Sozialmanagementverantwortlichen! 

Sozialpädagogisch offenbart der Blick in die Corona-Krise noch weitere Aufgabenfelder – das ist bspw. die Medienkompetenz, der Umgang mit Nachrichten, das Verstehen von Zahlen und Statistiken. Angst und Schrecken verbreiten sich schnell und erreichen einen kurz- und langfristig traumatisierenden Zustand von Hysterie und Panik – diesem Besonnenheit, Selbstbewusstsein, soziale Verantwortung und reflektiertes Demokratieverständnis durch Bildung und Kompetenzentwicklung gegenüberstellen zu können, ist auch ein Aufgabenfeld der Sozialpädagogik.